Unterhaltungsgeräte kommunizieren „wireless“

Eines der heißen Themen auf der Consumer Eletronics Show (CES), die noch bis zum Sonntag in Las Vegas stattfindet, ist die Vernetzung der Wohnung, besser gesagt der elektronischen Geräte, die sich darin befinden. Firmen wie Microsoft, Sony und diverse Hersteller von Netzwerkkomponenten haben offensichtlich die Privathaushalte als Absatzmarkt der Zukunft entdeckt.

Nicht nur PCs, sondern auch Fernsehgeräte, DVD-Spieler und Hifi-Anlagen sollen künftig über Wireless LANs (WLANs) miteinander kommunizieren oder auf das Internet zugreifen. Linksys, eine Tochtergesellschaft von Netzwerk-Primus Cisco Systems, zeigte in Las Vegas beispielsweise einen „wireless“ DVD-Player. Das Gerät wird über Kabel an die Stereoanlage oder das Fernsehgerät angeschlossen. Zusätzlich besitzt es jedoch einen WLAN-Adapter, über den es mit einem PC verbunden ist. Darüber kann sich der Benutzer Videos oder Audio-Dateien aus dem Internet herunterladen und abspielen. Nach Angaben von Linksys unterstützt der DVD-Player die Formate MPEG 2, 4 und DivX, außerdem MP3 und Windows Meta Audio (WMA).

Linksys will das Gerät in den USA noch in diesem Quartal auf den Markt bringen. Es soll dort etwa 300 Dollar kosten. Außerdem plant der Hersteller, Wireless-LAN-Adapter herauszubringen, die speziell für den Anschluss von Unterhaltungsgeräten konzipiert sind.

Auch Netgear, ein Anbieter, der sich wie Linksys auf Netzwerkprodukte für kleine und mittlere Firmen spezialisiert hat, ist nicht untätig geblieben. Auf der CES präsentierte das US-Unternehmen den „Super Wireless Media Router“ WGT634U. Wie der DVD-Player von Linksys nutzt er den WLAN-Standard IEEE 802.11g, der Brutto-Datenraten bis zu 54 MBit/s vorsieht. Netgear hat in den Router zusätzlich eine proprietäre Übertragungstechnik integriert, die bis zu 106 MBit/s unterstützt.

Mit dem WGT634U kann der User Musikdateien, Videos oder digitale Bilder aus dem Internet herunterladen oder über das drahtlose Heimnetz von einem Gerät auf ein anderes übertragen. Die Reichweite beträgt Netgear zufolge etwa 60 Meter. In Wohnungen, wie sie in Europa üblich sind, dürften je nach Bauweise zwischen 15 bis 30 Meter erzielt werden. Als Ergänzung bietet Netgear den MP 101 Wireless Digital Media Player an. Mit ihm lassen sich über die Hifi-Anlage MP3- oder WMA-Musikdateien abspielen, die das Gerät drahtlos vom PC oder aus dem Internet herunter lädt. Der Preis: zwischen 140 und 160 Dollar.

Und was haben die „Großen“ der IT-Branche in Sachen „Wireless Home Entertainment“ zu bieten? Microsoft-Chef Bill Gates beispielsweise erwähnte in seiner Key-Note-Rede auf der Messe einen „Windows Media Center Extender“. Die Box verbindet einen PC „wireless“ mit einem Fernsehgerät. Ein Trendsetter ist Microsoft damit allerdings nicht. Philips hat unter der Bezeichnung „Streamium“ bereits mehrere Geräte und Stereoanlagen vorgestellt, die via Wireless LAN Bilder oder Sounddateien von einem PC oder aus dem Internet abrufen. Jüngster Coup der Niederländer ist ein LCD-Fernseher mit integriertem IEEE-802.11g-Adapter. Mit der MC-i250 bietet Philips zudem eine Micro-Stereoanlage an, die ebenfalls über ein Funk-LAN Zugang zu Internet-Radiosendern bietet.

Noch einen Schritt weiter in puncto mobile Unterhaltung geht Sony. In Las Vegas zeigte der japanische Konzern einen Touchscreen-Bildschirm mit einer Diagonale von 30 cm und integriertem Wireless-LAN-Adapter. Das „Location Free TV“ ist über eine Basisstation an das Internet angebunden. Auf dem Display mit 800 x 600 Bildpunkten kann der User TV-Programme betrachten, aber auch E-Mails bearbeiten oder im Web surfen, und zwar überall dort, wo er eine Verbindung zu einem Funknetz hat.

Neben dem Standard IEEE 802.11g, der das 2,4-GHz-Band nutzt, unterstützt das System auch die Norm IEEE 802.11a, die Daten im Bereich 5 GHz übermittelt. Die Basisstation ist nicht nur mit einer Funkschnittstelle, sondern auch einem konventionellen Ethernet-Port ausgerüstet.

Fazit: Die Consumer Eletronics Show machte deutlich, dass die Grenzen zwischen der Unterhaltungselektronik und der „professionellen“ Kommunikationstechnik immer mehr verschwimmen. „Video on Demand“ oder „Streaming Media“, nach dem Abflauen der Internet-Euphorie häufig als Spinnerei abgetan, könnten in Kürze eine Renaissance erleben. Denn in immer mehr Haushalten machen sich Internet-Breitbandanschlüsse, digitale TV- und Audiosysteme und drahtlose oder drahtgebundene „Home Networks“ breit. Für die Anbieter von entsprechenden Services und Endgeräten tut sich hier ein neuer und äußerst lukrativer Markt auf.

Verfasst von: Bernd Reder am 10.01.04, 14:40
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