Microsoft will bei MSN künftig auf „Pop-up“-Fenster verzichten
Jeder Internet-Nutzer kennt sie, und die meisten haben von ihnen die Nase voll: Pop-up- und Pop-down-Fenster, die automatisch geladen werden, sobald man auf bestimmen Web-Sites landet. Diese nervige Form der Online-Anzeige ist bei Online-Vermarktern äußert beliebt, zwingt sie den User doch, die Werbebotschaft wahrzunehmen, auch wenn er sie erbost wegklickt. Während sich eine Pop-up-Anzeige vor die Web-Seite schiebt, die der User eigentlich sehen möchte, sind Pop-down-Versionen etwas „nutzerfreundlicher“: Sie öffnen sich im Hintergrund und sind daher nicht so aufdringlich wie Pop-ups.

Machen Pop-up-Fenstern den Garaus: Browser wie “Firefox” sind bereits standardmäßig mit Werbe-Blockern ausgerüstet.
Auch beim Internet-Service MSN von Microsoft waren solche Werbefenster eine beliebte Einnahmequelle. Nun hat der Software-Riese beschlossen, ab dem Sommer auf die Vermarktung von Pop-ups und Pop-downs zu verzichten. Interne Untersuchungen hätten ergeben, dass die Nutzer von MSN zunehmend ungehaltener darauf reagierten, so Microsoft. Zunächst sollen die MSN-Nutzer in Großbritannien, Belgien und den skandinavischen Länder von den Werbebotschaften verschont bleiben. Die anderen Regionen folgen im Lauf der kommenden Monate. In den Vereinigten Staaten hat Microsoft diese Werbeform bereits Ende vergangenen Jahres aus dem Verkehr gezogen.
Das Unternehmen ist einer der letzten großen Betreiber von Internet-Portalen, der auf das „Fensterln“ verzichtet. Firmen wie AOL haben bereits im Lauf des vergangenen Jahres Pop-up-Fenster ausgemustert. Der Rückzug von MSN aus diesem Geschäft ist allerdings nicht alleine darauf zurückzuführen, dass Online-User die Angebote als störend empfinden und somit der angestrebte Werbeeffekt konterkariert wird.
Der Nutzerkann mittlerweile auf eine ganze Reihe von „Abwehrmechanismen“ gegen Pop-ups zurückgreifen. Mittlerweile bieten Browser wie Mozilla oder der Mozilla-Ableger Firefox die Option, solche Fenster zu blockieren. Vergleichbare Funktionen haben die Anbieter von Antiviren-Software oder Firewalls in ihre Produkte integriert, ganz zu schweigen von einer fast schon unübersehbaren Palette vom kommerziellen oder Freeware- und Share-Programmen, die Werbefenster zum Verschwinden bringen.
Sehr beliebt ist mittlerweile auch die Tool-Bar des Suchmaschinen-Betreibers Google, die ebenfalls einen Pop-up-Blocker enthält. Somit akzeptiert Microsoft bei MSN wohl eher die „normative Kraft des Faktischen“ und tritt den mehr oder weniger wohlgeordneten Rückzug an.
Inzwischen sind neue Online-Werbeformen dabei, an die Stelle der klassischen Banner und Pop-up-Fenster zu treten. Nach Angaben der Online-Marketingfirma Doubleclick setzen immer mehr Firmen, vor allem in Nordamerika, auf großformatige Werbeformen und Flash-Animationen. Stark an Boden gewonnen haben beispielsweise „Leader Boards“; dies sind Streifen im Format von 728 x 90 Pixel, die beispielsweise oben auf einer Seite platziert werden. Details zu den Trends im Online-Anzeigengeschäft, etwa der Entwicklung hin zu „Rich Media“, hat Doubleclick in einer Untersuchung zusammengefasst. Sie bezieht sich auf das vierte Quartal 2003.
Nach Angaben der Marktforschungsgesellschaft AC Nielsen wird der Werbemarkt in Deutschland 2004 etwa 17,2 Milliarden Euro umfassen. Nielsen rechnet damit, dass auf Online-Werbung etwa 265 Millionen Euro entfallen. Das sind gerade einmal 1,5 Prozent des gesamten Werbe-Kuchens. Allerdings wuchs der Umsatz mit Online-Anzeigen im vergangenen Jahr um 3,7 Prozent.
Verfasst von: Bernd Reder am 15.02.04, 12:13Immer mehr browser und Addons kommen standardmässig mit Popup-Blockern daher. Die Umsätze die mit Popups generiert werden dürften im Verhältnis zu den Pageviews stark sinken. Firmen, die die Zeichen der Zeit erkennen verkaufen also ihren zukünftigen Verzicht auf Popups als Kundenfreundlichkeit.
Verfasst von: Moe am 15.02.04, 17:03
Pikant scheint mir, dass die Google-Toolbar Popups blockiert. Diese Funktion würde man eigentlich nicht von einem Suchmaschinen-Add-on für Browser erwarten. Die Sache erscheint in einem anderen Licht, wenn man Google als eine Größe des Online-Werbemarktes betrachtet, dessen Geschäft in kontextabhängigen "Inline-Anzeigen" besteht. Genau genommen rückt die Google-Toolbar der lästigen Popup-Konkurrenz zu Leibe. Innerhalb des gleichen Browser-Fensters teilt sich Google die Werbefläche ohnehin nicht mit anderen. Die Geschäftsbedingungen für Google's Adsense sind in dieser Hinsicht sehr restriktiv
Verfasst von: Wolfgang Sommergut am 16.02.04, 20:39

