Schnellster Supercomputer Europas steht in Deutschland
Der mit einer Peak-Leistung von 8,9 Tera-Flops (Floating Point Operations per Second) leistungsstärkste Supercomputer Europas hat am Zentralinstitut für Angewandte Mathematik (ZAM) in Jülich den Betrieb aufgenommen. Seine volle Leistungskraft wird der Rechner voraussichtlich im März erreichen. Bei dem System mit dem Namen „p690 Jump“ (Juelich Multi Processor) handelt es sich um ein massiv-paralleles Cluster. Es besteht aus 41 Knoten mit jeweils 32 Power4+-Prozessoren von IBM, die mit 1,7 GHz getaktet sind.

Erreicht eine Peak-Leistung von 8,9 TFlops: Das Cluster in Jülich ist mit 1314 Prozessoren bestückt. (Bild: ZAM Jülich)
Insgesamt besteht das Cluster aus 1314 Prozessoren, die über einen Arbeitsspeicher von zusammengerechnet 5 Terabyte „verfügen“ können. Hinzu kommt ein Plattenspeicher von 50 TByte für Daten. „Jump“ arbeitet unter AIX 5.1, dem Unix-Derivat aus dem Hause IBM.
Die eine Hälfte der Rechenkapazität des neuen Jülicher Supercomputers nutzen Wissenschaftler des Forschungszentrums und der Industrie, die andere vergibt das John-von-Neumann-Institut für Computing (NIC) an Forschungsprojekte, die in Deutschland durchgeführt werden.
Mit seiner Leistung von rund 9 TFlops zählt der Jülicher Superrechner zu den leistungsfähigsten Maschinen der Welt. An der Spitze der Rangliste, welche die Top 500 Supercomputer Sites regelmäßig herausgibt, stand im November 2003 der Rechner im Earth Simulator Center in Yokohama. Er wurde von NEC gebaut, hat 5120 Prozessoren und eine Rechenleistung von rund 35,9 TFlops.

Derzeit leistungsstärkster Rechner der Welt: Das System im Earth Simulator Center in Yokohama hat NEC konstruiert. Es hat mehr als 5100 Prozessoren und eine Leistung von 35,9 TFlops. (Foto: Earth Simulator Center)
Auf den folgenden Plätzen rangieren zwei Systeme in den USA. Eines steht im National Energy Reseach Scientific Computer Center, das zweite im Lawrence Livermore National Laboratory. Beide wurden von IBM installiert und haben eine Leistung von 7,3 TFlops. Die 23. Ausgabe der Top-500-Liste der leistungsstärksten Rechner der Welt wird am 22. Juni auf der 19. International Supercomputer Conference in Heidelberg veröffentlicht.
Mittlerweile testen Forschungseinrichtungen und Firmen eine Alternative zu zentralen Supercomputern, so genannte Computer Grids. Beim Grid Computing werden viele Rechnersysteme oder brachliegende Kapazitäten von Systemen zu einem virtuellen Supercomputer zusammengeschaltet. Nach Anlaufschwierigkeiten scheinen sich Grids zu einer brauchbaren Technik zu entwickeln, die auch in Firmen verstärkt zum Einsatz kommt. Ein Kernproblem bestand - und besteht teilweise immer noch - darin, eine Art Betriebssystem zu entwickeln, das die einzelnen Systeme zu einem Ganzen zusammenfasst.
Firmen wie IBM, Akamai, Hewlett-Packard, SAP oder Tibco haben zudem Spezifikationen entwickelt, die Web-Services mit Grid-Standards in Einklang bringen. Die Idee dahinter ist, dass Unternehmen nach Bedarf („on demand“) auf Rechen- und Speicherkapazitäten oder Applikationen zugreifen können. Nach Einschätzung so gut wie aller Fachleute steht der kommerzielle Einsatz von Computer Grids jedoch noch am Anfang.
Ich werde auf das Thema „Grid Computing“ und entsprechende Produkte und Standards in Kürze in einem eigenen Beitrag eingehen.
Verfasst von: Bernd Reder am 21.02.04, 00:25
