Pilotprojekt: T-Mobile & Co. wollen mobile Techniken unter einen Hut bringen

Ein ehrgeiziges Projekt wollen T-Mobile, Cisco Systems und Intel starten. In einem Feldversuch möchten sie prüfen, ob beziehungsweise wie das Zusammenspiel von Mobilfunktechniken wie GSM (Global System for Mobile Communications), General Packet Radio System (GPRS) und Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) mit Wireless LANs (WLANs) klappt.

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Kommt beim Test von T-Mobile zum Einsatz: Der „MDA-2“ ist eine Kombination aus GSM/GPRS-Mobiltelefon und digitalem Assistenten. (Foto: T-Mobile)

Der Test soll drei Monate lang dauern und in drei Ländern laufen: Deutschland, Großbritannien und den USA. In jedem Land nehmen 30 Personen daran teil. Cisco steuert die WLAN-Access-Points der Reihe „Aironet 1200“ bei, Intel die „Centrino“- und „XScale“-Prozessoren in den mobilen Geräten.

In jeder Region stehen unterschiedliche Szenarien auf dem Prüfstand. In den USA können die Versuchspersonen von ihrem Laptop aus an „Hotspots“ über ein Wireless LAN auf das Internet zugreifen. Das ist allerdings nicht gerade eine „Highend“-Anwendung. Vergleichbare Dienste bietet in Nordamerika mittlerweile eine ganze Reihe von Serviceprovidern, Messezentren und Hotels an.

Etwas komplexer ist das Testumfeld in England. Dort hat der User immerhin die Wahl zwischen zwei mobilen Zugangsverfahren: GPRS und Wireless LAN. Mit Abstand am interessantesten ist der „Versuchsaufbau“ in Deutschland. Zum einen haben die User dort die Wahl zwischen drei Typen von Endgeräten: Notebooks, Mobiltelefonen und den digitalen Assistenten der Reihe MDA 2, die gleichzeitig als Handy eingesetzt werden können. Zum anderen stehen im ersten Schritt mit GSM, GRPS und WLAN drei Zugangstechniken zur Verfügung. In Phase zwei des Tests soll UMTS hinzukommen.

Speziell auf die Ergebnisse des Versuchs hier zu Lande darf man gespannt sein. Denn bereits das Weiterreichen (Roaming) von Verbindungen und Anwendungs-Sitzungen zwischen den drei Mobilfunk-Verfahren GSM, GPRS und UMTS ist kompliziert und stellte die Techniker von Providern und Systemausrüstern vor Probleme. Angeblich wurden diese mittlerweile gelöst. Kommen nun noch Wireless LANs hinzu, wird das Ganze ein komplizierter Mix.

Interessant ist auch, was sich T-Mobile in puncto Abrechnungsverfahren der unterschiedlichen Services einfallen lässt. Das gilt vor allem für Wireless LANs. Denn einem Anwender ist nicht zuzumuten, dass er sich mit unterschiedlichen Anmelde- und Abrechnungsverfahren für Mobilfunk-Services und Wireless-LAN-Dienste abgeben muss. Was das Billing und Accounting von öffentlichen WLAN-Dienstleistungen betrifft, ist jedoch Abhilfe in Sicht. Spezialanbieter wie etwa die Software-Firma Garderos haben Management-Systeme für Public WLANs entwickelt, die Schnittstellen zu den GSM-/GPRS-Abrechnungs-Servern der Betreiber von Mobilfunknetzen besitzen. Das hat den Vorteil, dass der User eine einzige Rechnung erhält, in der alle seine „mobilen Aktivitäten“ aufgeführt sind.

Auf dem 3GSM World Congress, der in dieser Woche in Cannes stattfand, skizzierte T-Mobile-Chef René Obermann, wie sich das Unternehmen die „multimediale mobile Zukunft“ vorstellt. T-Mobile wolle ein „integriertes Multimedia-Netz auf Basis von 2G-, 3G- und WLAN-Technologien“ aufbauen, das dem Nutzer unterschiedliche Übertragungsraten zur Verfügung stellt. Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie sind WLAN-Hotspots. Obermann kündigte an, T-Mobile wolle bis Ende des Jahres die Zahl der Hotspots auf 10.000 erhöhen. Im Dezember 2003 unterhielt der Konzern etwa 5000 öffentliche WLANs in Deutschland.

Für den User hat das Engagement von T-Mobile zwei Seiten: Auf der einen ist es natürlich von Vorteil, wenn ein „Großer“ wie T-Mobile eine umfassende Palette von mobilen Services und Zugangstechniken anbietet, inklusive der entsprechenden Abrechnungsverfahren und subventionierter Endgeräte. Andererseits besteht die Gefahr, dass T-Mobile und Konkurrent Vodafone, der eine ähnliche Strategie verfolgt, den Markt unter sich aufteilen. Kleinere Anbieter von Public-WLAN-Diensten werden es schwer haben, sich gegen diese Marktmacht zu behaupten.

Gleiches gilt für andere Mobilfunk-Firmen wie E-Plus und O2. Beide verfügen derzeit nicht über die finanziellen Mittel, um eine ähnlich aufwändige Infrastruktur zu schaffen. Hinzu kommt, dass noch nicht abzusehen ist, was mit beiden Unternehmen passiert, sprich ob es zu einer Übernahme der O2-Muttergesellschaft MMO2 durch den niederländischen Carrier KPN kommt, der wiederum E-Plus besitzt. Dies könnte zum Verschmelzen beider Mobilfunknetz-Betreiber führen.

Mittlerweile hat auch der japanische Mobilfunk-Riese NTT Docomo Interesse an MMO2 signalisiert. Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland sind inzwischen weitere Kandidaten im Gespräch, die MMO2 beziehungsweise O2 schlucken könnten, darunter Telecom Italia Mobile, die BT Group und der spanische Konzern Telefónica.

Verfasst von: Bernd Reder am 29.02.04, 12:12
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