Serviceprovider klemmen "gekidnappte" Rechner vom Internet ab
Im Kampf gegen die Flut unerwünschter E-Mails (Spam) greifen Internet-Serviceprovider und die Betreiber von Kabelnetzen zu immer drastischeren Methoden: Sie sperren Rechnern, die sie als Ausgangspunkt von Spam identifiziert haben, den Zugang zum Internet. Der skandinavische Telekommunikationskonzern Telia Sonera hat bereits Anfang November vergangenen Jahres damit begonnen, ohne Vorwarnung Rechner zu blockieren, auf denen so genannte Trojaner installiert waren.
Hacker schleusen Computerviren mit solcher "Malware" auf fremden Systemen ein, um die Kontrolle über die Rechner zu übernehmen. Häufig bemerkt der Besitzer das nicht einmal. Wie das Computermagazin c't in Ausgabe 5/2004 beschrieb, bieten einige Hacker dann solche "gekidnappten" Maschinen Versendern von Werbebotschaften als Basis für deren Massenaussendungen an.
Nun will auch Comcast, einer der größten Kabelnetzbetreiber in den Vereinigten Staaten, die Notbremse ziehen. Zwar setzt das Unternehmen die Anti-Spam-Software von Brightmail ein. Doch scheint Comcast das nicht zu genügen – oder die Software erfüllt nicht ihren Zweck. Der Konzern droht Kunden nun damit, deren Rechner vom Internet auszusperren, wenn von diesen aus Massen-Mails versendet werden.
Es ist noch nicht absehbar, ob das Beispiel von Telia Sonera und Comcast auch bei Providern Schule machen wird, die in Deutschland aktiv sind. Von Freenet, T-Online, AOL & Co. war bislang nichts in dieser Richtung zu hören. Es wäre auch dreist, auf "Cowboy"-Methoden wie Comcast zurückzugreifen, Stichwort "Erst abklemmen, dann fragen". Telia Sonera bietet seinen Kunden wenigstens Hilfe dabei an, ihre verwanzten Systeme zu säubern und gegen Angriffe abzusichern.
Andererseits wirft das Vorgehen der beiden Internet-Serviceprovider kein gutes Licht auf die gesetzlichen Maßnahmen, mit denen beispielsweise die USA seit Anfang des Jahres Spam bekämpfen. Entweder greift das "Can Spam Act" noch nicht oder es enthält (noch) zu viele Schlupflöcher. Immerhin haben Mitte März AOL, Microsoft, Yahoo und Earthlink in den USA Klage gegen 220 "Spammer" erhoben, die die Welt mit Hunderten von Millionen E-Mails beglückten, in denen für Viagra, Lebensversicherungen oder Sex-Angebote geworben wurde.
Auch die Anbieter von Sicherheitssoftware, Betriebssystemen und Managed Services müssen sich fragen lassen, weshalb es Hackern und Spammern immer wieder gelingt, Anti-Spam-Techniken zu unterlaufen. Liegt dies am Erfindungsreichtum der Spammer und Hacker, oder etwa daran, dass die IT-Security-Firmen mit Produkten gegen unerwünschte E-Mails gutes Geld verdienen und das auch noch eine Zeit lang tun möchten?
Doch auch den Internet-Usern sei eines ins Stammbuch geschrieben: Wer im Jahr 2004 immer noch nicht mitbekommen hat, dass im Web auch "böse Buben" unterwegs sind, sollte seinen Rechner lieber offline lassen. Die Investition in eine Antiviren-Software und eine Firewall kann sich heute jeder leisten. Das ist er seinen "Mitbürgern im Internet" schuldig.
Verfasst von: Bernd Reder am 16.03.04, 13:37Zumal inzwischen sowohl Firewalls wie auch Antivirensoftware kostenlos erhältlich sind ...
Verfasst von: Klaus Eck am 16.03.04, 14:06

