USA: Online-Musikbörsen drehen an der Preisschraube
"Hoch mit den Preisen" - nach dieser Devise verfahren derzeit die führenden Online-Musikbörsen in den Vereinigten Staaten, wie das Wall Street Journal berichtet. Vor allem bei aktuellen CDs bekannter Künstler fährt der Fan nach Recherchen des Wirtschaftsblattes in etlichen Fällen besser, wenn er diese im Laden holt oder bei Amazon bestellt statt sie aus dem Internet herunterzuladen. So kostet das neue Album "Fly or Die" von N.E.R.D. bei Apples iTunes-Service rund 17 Dollar und bei Napster von Roxio rund 14 Dollar. Beim Online-Versand Amazon ist die CD der Band in den USA dagegen für 13,49 Dollar zu haben.

Bei Amazon.com billiger als bei Online-Musikbörsen: Das Album "Fly and Die" der Band N.E.R.D. (Bild: Reder)
Nach oben soll auch der Preis pro Musiktitel korrigiert werden, und zwar von den üblichen 99 US-Cent je nach Beliebtheitsgrad des Interpreten auf 1,25 bis 2,49 Dollar. Im Gegenzug, so die Überlegungen von einigen Musikverlagen und Online-Anbietern, könnten ältere Songs billiger angeboten werden. Über die Gründe für die Preisspielchen schweigen sich sowohl Sony, EMI, Vivendi oder BMG als auch iTune und Napster aus. Die Musikfirmen weisen die Verantwortung von sich und stellen sich auf den Standpunkt, alleine die Händler, in diesem Fall also die Online-Anbieter, seien für die Preisgestaltung verantwortlich.
Ziemlich verwirrend für den User ist, dass es keine einheitliche Linie gibt. So kostet laut Wall Street Journal "Freak of the Nature" von Anastacia bei iTunes und Napster rund 14 Dollar, beim Download-Service Music Match und im Plattenladen dagegen 12 Dollar und bei Amazon 15 Dollar. Ganz anders sieht es bei "Speakerboxxx/The Love" von Outkast aus: In diesem Fall führen iTunes und Napster mit jeweils rund 20 Dollar die Preis-Hitliste an, gefolgt von Amazon mit rund 17 Dollar, Musicmatch mit 16,50 Dollar und dem Einzelhandel (15,80 Dollar).
Preisbewusste Musikfans werden also nicht umhin kommen, einen aufwändigen Preisvergleich durchzuführen, ehe sie sich für Download, Online-Versender oder Plattenladen entscheiden. Vermutlich setzen die Anbieter darauf, dass der Interessent das bleiben lässt, sei es aus Zeitmangel oder weil ihm der Aufwand einfach zu groß ist. Dann zahlt sich ihre Mischkalkulation aus, sprich man mache ein Produkt ein bisschen billiger als die Konkurrenz, dafür ein anderes ein wenig teurer.
Selbst in der Online-Musikbranche sind die "Preistests" von iTune, Napster und Co. nicht unumstritten. Etliche Firmen fürchten, dass das zarte Hoffnungspflänzchen "Online-Musikbörse" dadurch Schaden nehmen könnte. Denn zumindest in den USA lief der Online-Musikhandel nach Angaben des Wall Street Journal und der Marktforschungsfirma Nielsen Soundscan in der ersten drei Monaten ziemlich gut: Demnach fanden bis Ende März 25 Millionen digitale Tracks einen Abnehmer. In der gesamten zweiten Hälfte des vergangenen Jahres seien es nur 19,5 Millionen gewesen.
Verfasst von: Bernd Reder am 07.04.04, 17:13Nun, zumindest für mich ist der Preis nicht das Hauptkriterium. Ich höre ein Lied, sei es im Radio, bei Freunden oder Fernsehen. Es gefällt mir und ich möchte es sofort haben. Über das Internet eine Sache von Minuten. Und es funktioniert danach auch auf meinem PC und MP3 Player (Inzwischen entwickelt sich der Kauf von Musik CDs und Computerspielen zu einem Frusterlebnis, wo ehrliche Käufer nicht belohnt, sondern bestraft werden). Auch durch die selektive Auswahl von einzelnen Songs läßt sich die Bilanz evtl. aufbessern (die wenigsten Alben glänzen mit durchgehend gutem Material). Die selektive Preisgestaltung ist teilweise ärgerlich aber der Markt wird das mit der Zeit regeln, schließlich konkurriert man nicht nur gegen die klassischen Medien sondern auch gegen diverse Tauschbörsen.
Henning
Verfasst von: Henning Heinz am 08.04.04, 17:22

