Studie: Wireless-LAN-Dienste in USA bald beliebter als Mobiltelefon

Eine interessante Entwicklung bahnt sich nach Angaben von Pyramid Research in den Vereinigten Staaten an. Nach einer Studie des Marktforschungsinstituts werden dort im Jahr 2007 öffentlich zugängliche Funknetze mehr User haben als die Mobilfunknetze. Die Zahl der WLAN-Nutzer liegt dann bei mehr als 80 Millionen, während etwa 78 Millionen Amerikaner mobil telefonieren. Für 2008 prognostiziert Pyramid gar 180 Millionen Wireless-LAN-User, während 90 Millionen US-Bürger Kunde eines Mobilfunk-Carriers sind.

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Wireless LANs statt Mobilfunk: Pyramid Research erwartet, dass im Jahr 2007 mehr Amerikaner öffentlich zugängliche WLANs nutzen als Mobilfunknetze. (Bild: Reder/Pyramid)

Die Studie wirft mehrere Fragen auf, etwa was das für die Betreiber von Mobilfunknetzen bedeutet und ob sich diese Prognosen auf Europa und Deutschland übertragen lassen. Zunächst zum ersten Punkt: WLANs und Mobilfunk sind nicht zwangsläufig Konkurrenten. Das gilt vor allem für Flächenstaaten wie die USA, in denen nicht überall ein Mobilfunknetz verfügbar ist, aber auch für Länder mit einer gut ausgebauten Mobilfunk-Infrastruktur. GSM, GPRS und das neue UMTS haben nun einmal den Vorteil, dass sie auch dort zur Verfügung stehen, wo keine Wireless LANs greifbar ist. Die dürften auch künftig hauptsächlich auf Flughäfen, in Bahnhöfen, Messezentren und Hotels zu finden sein.

Andererseits bietet ein "Public WLAN" (PWLAN) höhere Datenraten als ein Mobilfunknetz. Derzeit beträgt die Datenrate im UMTS-Netz 384 Kilobit pro Sekunde (kBit/s), während ein WLAN auf mehrere Megabit pro Sekunde (MBit/s) kommt. Beide Techniken haben also ihre Stärken. Es liegt daher für die Carrier nahe, beide Services aus einer Hand anzubieten. T-Mobile praktiziert das bereits hier zu Lande und in den USA. Die Telekom-Tochter hat sich zu diesem Zweck in Nordamerika und Europa eine Vielzahl von "Hotspots" gesichert, also Standorte, an denen sie öffentliche WLAN-Services anbietet. Eine ähnliche Strategie verfolgt Vodafone.

Beide Firmen haben offenbar erkannt, welches Potenzial ein kombiniertes Mobilfunk-PWLAN-Angebot bietet. Sie haben zunächst vor allem Geschäftskunden im Auge, die traditionell mehr Geld für Mobiltelefongespräche und Datendienste ausgeben als der Normalbürger. Pyramid Research geht zudem davon aus, dass sich - zumindest in den USA - die Investitionen von T-Mobile in sein WLAN-Hotspot-Netz auch deshalb rechnen, weil das Unternehmen dadurch das Mobilfunkgeschäft stützt. Die Kunden honorieren, so die Marktforscher, dass ihnen T-Mobile zusätzlich einen Wireless-LAN-Dienst zur Verfügung stellt.

Fazit: Mobilfunk-Firmen, die alleine auf Datendienste via GSM, GPRS oder UMTS setzen, werden es schwer haben, sich gegen die Kombi-Angebote von T-Mobile, Vodafone und Co. durchzusetzen.

Nun zum zweiten Punkt, sprich ob öffentliche Wireless LANs auch in Deutschland zu einem Erfolg werden. Ich denke ja. Dafür spricht beispielsweise, dass immer mehr persönliche digitale Assistenten (PDAs) und Notebooks mit integrierten WLAN-Adaptern ausgestattet sind. Die "Centrino"-Chips von Intel etwa sind mittlerweile in vielen mobilen Rechnern zu finden. Es wird daher künftig kaum noch notwendig sein, einen separaten WLAN-Adapter zu kaufen. Hinzu kommt der bereits genannte Faktor: Mobilfunkfirmen bieten ihren Kunden als "Bonbon" den Zugang zu PWLANs an.

Um das zu tun, müssen die Anbieter nicht zwangsläufig ein eigenes Netz von Hotspots aufbauen. Sie können sich auch mit Partnern zusammentun. Die Frage ist dann allerdings, wie es mit dem Roaming zwischen unterschiedlichen PWLANs oder zwischen Wireless LSAN und Mobilfunknetz aussieht. T-Mobile etwa hat auf der CeBIT angekündigt, in ihrem Netz werde ein nahtloser Übergang zwischen den Techniken möglich sein. Den Beweis dafür muss der Konzern allerdings erst noch antreten.

Ein weiterer Faktor ist die Rechnungsstellung: Kein Mensch will sich mit Belegen unterschiedlicher Provider herumschlagen, sondern nach Möglichkeit einen Verbindungsnachweis erhalten, auf dem alle Gebühren aufgeführt sind. Auch hier sind Firmen T-Mobile, Vodafone, E-Plus oder O2 im Vorteil.

Noch nicht so recht abzusehen ist meiner Ansicht nach, wie sich die Wireless-LAN-Dienste entwickeln werden, die gegenwärtig Coffee-Shops und Imbissketten wie McDonald's aufbauen. Ich bezweifle, dass sich diese Netze rechnen. Jedenfalls sind mir bei meinen, zugegebenermaßen nicht allzu häufigen, Besuchen bei McDonald's bislang nur selten Leute begegnet, die dort mit einem Notebook zugange waren. Aber vielleicht ändert sich das ja, etwa dann, wenn jedem Big Mac noch ein Gutschein über eine halbe Stunde "Wireless-Surfen" im Internet beiliegt.

Verfasst von: Bernd Reder am 15.04.04, 15:16
Kommentare

Kann man in Deutschland gekaufte PC Karten (802.11b/g) in den USA verwenden?
Funktionieren diese?
Danke.


Verfasst von: Konrad Seyfferth am 30.11.04, 22:45
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