Betriebssysteme: Kann Linux Microsofts "Longhorn" beerben?

Auf der Windows Hardware Engineering Conference (WinHEC) betrieb Microsoft wieder einmal Marketing in eigener Sache. Ein Thema, das auf der Konferenz in unterschiedlichen Spielarten aufschien, was die nächste Windows-Version, die derzeit unter ihrem Codenamen "Longhorn" durch die IT-Medien geistert.

Einige Details zu Longhorn hat Loyd Case in einem Beitrag auf Extreme Tech zusammengestellt. Dort sind auch einige Screenshots der aktuellen Version 4072 des Betriebssystems zu finden, die allerdings nicht gerade viel aussagen. Nach Angaben von Case lief die Vorab-Version von Longhorn erstaunlich stabil. Neben einer 3D-Benutzeroberfläche zählen das neue Filesystem "WinFS" und Support für 64-Bit-Prozessoren zu den Highlights. In der vorliegenden Version erwiesen sich jedoch die Oberfläche als Leistungsbremse und WinNFS als instabiles Konstrukt. Damit war allerdings bei dem derzeitigen Stand der Entwicklung zu rechnen. Nicht umsonst hat Microsoft den Start von Longhorn verschoben.

Genau in diese Zeitlücke von etwa zwei Jahren wollen nun offenbar einige Linux-Anbieter stoßen. So kündigte Red Hat in der vergangenen Woche an, dass der Linux-Spezialist nun wieder verstärkt den Desktop ins Auge fassen möchte. Das Unternehmen bietet ab sofort mit Red Hat Desktop einen Linux-Client an. Allerdings steht der nur Firmenkunden zur Verfügung. Die Software unterstützt Rechner mit einem Prozessor, bis zu 4 GByte Arbeitsspeicher und ist für die 64-Bit-Architektur von AMD (AMD64) sowie die 64-Bit-Erweiterungen von Intel (EM64T) ausgelegt. Der Preis beträgt pro Zehner-Lizenz rund 2500 Dollar.

Noch unklar ist, ob Red Hat erneut in den Markt für Privatkunden einsteigt. Aus diesem Segment hatte sich die US-Firma mit Version 9 ihres Betriebssystems verabschiedet. Der Grund: zu hohe Kosten für Support und Vertrieb bei zu geringen Einnahmen. Es sei noch keine Entscheidung darüber getroffen worden, ob nun das Revival einer Desktop-Strategie für Home User ansteht, sagte Paul Salazar, der für Europa, Afrika und den Mittleren Osten zuständige Marketingmanager. Derzeit setzt Red Hat auf das Projekt Fedora , was Linux für Privatanwender betrifft. Paul Salazar zufolge gibt es derzeit auch keine Pläne, Fedora in ein kommerzielles Produkt zu "transformieren".

Und das ist meiner Ansicht nach auch gut so, denn die Dominanz von Windows auf Desktop-Rechnern zu brechen, erfordert einen gewaltigen technischen und vor allem finanziellen Aufwand, Stichwort "Marketing". Und den können sich klassische Linux-Anbieter nicht leisten, es sei denn, Partner vom Kaliber einer IBM oder Hewlett-Packard geben ihnen Schützenhilfe.

Verfasst von: Bernd Reder am 09.05.04, 13:47
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