Internet-Wahlkampf in den USA: Bush und Kerry Kopf an Kopf

Derzeit muss der amerikanische Präsident George W. Bush Prügel einstecken: Aufstände und Folter im Irak, die rasant wachsende Staatsverschuldung und das Abwandern von Hightech-Arbeitsplätzen in Länder wie Indien und China haben sein Image beschädigt. Auf einem Gebiet macht er jedoch eine gute Figur, und zwar was die Page Impressions seiner Wahlkampf-Web-Site betrifft. Hier liegt er nur knapp hinter seinem Herausforderer John Kerry.

Wie die Marktforschungsfirma Nielsen Net Ratings ermittelte, verzeichnete Bushs Seite im vergangenen Monat rund 1,5 Millionen Besucher, die von Kerry mit 1,6 Millionen nur 100 000 mehr. Auch im Februar und März lag der Herausforderer knapp vor dem Amtsinhaber. Extreme Unterschiede zeigten sich dagegen bei den Ad Impressions, also den Klicks auf die Online-Anzeigen, die beide Politiker, deren Parteien oder Sponsoren schalteten, wie Mitarbeiter von Nielsen in einem Gespräch mit CNET.com erläuterten. Im April konnte Kerry 52 Millionen Ad Impressions verzeichnen, Präsident Bush dagegen ganze 5000.

Auch wenn diese Zahlen auf den ersten Blick beeindruckend wirken, spielt das Internet im amerikanischen Wahlkampf Nielsen zufolge nur eine Nebenrolle. Beide Kandidaten bevorzugen nach wie vor klassische Medien wie Radio, Zeitungen oder Zeitschriften und vor allem das Fernsehen, um ihre Botschaften unter das Volk zu bringen. Einen Vorteil bietet allerdings das Internet: Für Print- und Funkmedien gelten relativ strenge Regeln, was Aussagen über den politischen Gegner betrifft. Bush und Kerry müssen sich also mit ihren Angriffen aufeinander zurückhalten. Nicht so auf ihren Web-Sites: Dort lancieren beide wesentlich harschere Attacken.

Hier noch einige Links zu Web-Sites, die sich der "E-Politik" widmen:

Eine Fülle von Informationen zur "E-Democracy" in Deutschland, Europa und den USA ist auf Politik Digital zu finden. Sie wird von Pol-di.net unterhalten, einem "Verein für eine demokratische und digitale Entwicklung der europäischen Informationsgesellschaft" in Berlin.

Stefan Krempl hat in der c't 5/2004 einen Artikel zum Thema Das Netz und die Politik im Superwahljahr 2004 veröffentlicht. Dort wird unter anderem das ernüchternde Ergebnis einer Studie zitiert: Demnach informieren sich zwar 13 Prozent der Amerikaner regelmäßig im Internet über politische Entwicklungen, aber zwei Drittel bevorzugen das Fernsehen, wenn es um Wahlkampfthemen geht.

Mit den Online-Aktivitäten der Parteien in Deutschland beschäftigt sich Wahlkampf Digital.

Eine umfangreiche Link-Sammlung zu Wahlen, Wahlkampf und politischen Organisationen hat das Institut für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen zusammengestellt.

Verfasst von: Bernd Reder am 20.05.04, 12:35
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