Nach den Folter-Bildern: US-Verteidigungsminister Rumsfeld verbietet Digitalkameras und Fotohandys
Die Flut von unappetitlichen Digitalfotos, auf denen zu sehen ist, wie amerikanische Soldaten irakische Gefangene quälen, nimmt kein Ende. Jetzt hat der US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld reagiert: Ab sofort sind Digital- und Videokameras sowie Handys mit eingebautem Fotoapparat in amerikanischen Militäreinrichtungen im Irak verboten.
Die China Daily will von dem neuesten Schachzug des Ministers erfahren haben, auf diese Weise weiteren Image-Schaden von den Vereinigten Staaten abzuwenden. Angeblich ist bereits eine erweiterte Version des Verbots in Arbeit, das dann weltweit für alle Stützpunkte der US-Armee gelten soll.
Ob sich Rumsfeld damit unter den US-Soldaten viele Freunde machen wird, wenn diese bei Betreten einer Kaserne wie kleine Schuljungen ihre Taschen leeren und beweisen müssen, dass sie kein elektronisches Teufelswerk einschmuggeln wollen, sei dahin gestellt. Gravierender ist jedoch, dass das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, sprich die Bilder aus dem Irak wurden nun einmal veröffentlicht.
Nun die Technik, also Digitalkameras und Internet, dafür verantwortlich zu machen, dass es nach dem Auftauchen der schrecklichen Bilder um das Ansehen der Vereinigten Staaten nicht zum Besten steht, ist geradezu lächerlich. Im Gegenteil: Ein pauschales Verbot von digitalen Medien wird den Verdacht verstärken, Amerika habe noch mehr oder schlimmere Gräueltaten zu verbergen als diejenigen, die bereits publik wurden.
Verfasst von: Bernd Reder am 24.05.04, 18:11
