Funketiketten werden in Flugzeugen gestestet

Boeing will Radio Frequency ID Tags (RFID) in seinen Flugzeugen einsetzen. Die Funketiketten sollen auf Teile aufgeklebt werden, die ihm Rahmen von Wartungsarbeiten ausgetauscht werden. Als Versuchskaninchen haben Delta Airlines und der Transportdienst Fedex einige ihrer Maschinen für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Beide Unternehmen wollen prüfen, inwieweit RFID-Etiketten die Wartung der Flugzeuge vereinfachen und dadurch die Kosten senken.

Außerdem soll der Versuch Aufschluss darüber geben, ob die Daten auf den Etiketten durch die elektronischen Systeme in den Jets beeinträchtigt werden. Da es sich um passive RFID Tags handelt, besteht keine Gefahr, dass im Gegenzug die Elektronik der Flugzeuge Schaden nimmt oder gestört wird. Aus Furcht vor Interferenzen haben viele Airlines bekanntlich die Benutzung von CD-Playern oder Notebooks im Flugzeug eingeschränkt.

Bei den Tests kommen vorzugsweise UHF-RFID-Tags (Ultra High Frequency) zum Zuge. Sie nutzen das 915-MHz-Frequenzband und haben eine höhere Reichweite als High-Frequency-Funketiketten, die mit 13,56 MHz arbeiten. UHF-Komponenten eignen sich somit für den Einsatz an Stellen, die schwer zugänglich sind, etwa auf Schwimmwesten, die unter den Flugzeugsitzen verstaut sind, oder Bestandteilen von Triebwerken und des Fahrwerks.

Auch der europäische Flugzeughersteller Airbus hat bereits Versuche mit HF-RFID-Systemen durchgeführt. Sie wurden im vergangenen Jahr in zwölf Jets einer deutschen Charterlinie eingesetzt. Der Test verlief erfolgreich, wie das Unternehmen verlauten ließ. Es sei "kein Bit" der Informationen verloren gegangen, die auf den Etiketten gespeichert waren.

Einem flächendeckenden Einsatz von UHF-RFID-Tags steht derzeit noch das Gerangel um einen Standard im Weg. Derzeit liegen dem Industriekonsortium EPC Global, das eine weltweit gültige Spezifikation erarbeiten will, zwei konkurrierende Vorschläge vor. Einer, der ?Unified Proposal?, wird unter anderem von Intermec, Philips Semiconductors und Texas Instruments unterstützt, der andere von Atmel, Alien Technology, ST Microelectronics und EM Microelectronic. Sollten sich beide Ansätze nicht zu einem kombinieren lassen, will die UHF-Gen-2-Arbeitsgruppe von EPC Global Ende des Monats entscheiden, welcher Ansatz zum Zuge kommt. Ein offizieller Standard soll zum Jahresende vorliegen.

Die Eile, mit der die Organisation die Arbeiten an der Norm vorantreibt, hat selbstverständlich einen kommerziellen Hintergrund. In einem Beitrag der Financial Times Deutschland wird Reinhard Kalla von Philips Semiconductors mit der Aussage zitiert, das Wachstum im Bereich RFID-Komponenten sei doppelt so hoch wie im Halbleitermarkt. In etwa zwei Jahren werde sich das Marktvolumen, das derzeit weltweit bescheidene 200 Millionen Dollar beträgt, rapide anwachsen.

Studie zu RFID-Einsatz: Skepsis bei potenziellen Anwendern

Als Anwender von RFID kommen vor allem große Handelsketten in Betracht. So führen denn auch Metro und Walmart bereits Feldversuche mit Funketiketten durch. Doch auch in Krankenhäusern, Industrieunternehmen oder, wie oben beschrieben, der Transport- und Logistikbranche sind Einsatzfelder vorhanden. Allerdings, so eine Studie, welche die Universität St. Gallen und die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton erstellte, schrecken viele Firmen in der Automobil- und Logistikbranche noch davor zurück, RFID auf breiter Front einzusetzen. Zwar schätzten 83 Prozent der befragten Firmen die Technik als strategisch wichtig ein, doch nur 18 Prozent von ihnen wollten 2004 mehr als 500.000 Euro in Funketiketten und entsprechende Lesegeräte investieren.

Ein Hemmschuh für die weitere Verbreitung der RFID-Technik sei der bestehende hohe Automatisierungsgrad im Logistikmanagement. Leistungsvorteile für Funketiketten ergeben sich laut der Studie heute nur bei Nischenanwendungen, bei denen wegen einer Nachweispflicht absolute Prozesssicherheit erforderlich ist und geschlossene Logistikkreisläufe die Wiederverwendung der Chips sicherstellen. Offene Systemen, wie sie etwa im Handel oder der Konsumgüterindustrie erforderlich seien, würden sich dagegen noch nicht rechnen.

Fazit: "Der Einsatz von RFID-Technologie in der Logistik erfordert heute eine nüchterne Analyse der wirklich zu realisierenden Wertschöpfungspotenziale. Viele Anwendungen werden auf mittlere Frist kaum als Geschäftsmodell funktionieren. Insbesondere bei offenen Systemen sind die Investitionskosten noch sehr hoch." Und: "Die Erfolgsvoraussetzung für die Implementierung von offenen RFID-Systemen ist ein unternehmensübergreifender Planungs- und Standardisierungsansatz. Viele Anwendungen rechnen sich erst, wenn Daten und Prozesse auf Unternehmensebene und über die Unternehmensgrenzen hinweg standardisiert sind."

Verfasst von: Bernd Reder am 16.06.04, 14:58
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