IEEE-Meeting in Portland: Resultate der Meetings zu Wireless-Techniken in Kurzform
Vom 11. bis zum 16 Juli trafen sich 1300 Mitglieder des LAN/MAN Standards Committee des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) in Portland (Oregon) zu einer Plenarsitzung. Auch die Experten, die an Standards für Funknetze arbeiten, gaben sich dort ein Stelldichein. Eine kurze Zusammenfassung der Resultate ist auf Dailywireless.org nachzulesen.
Ein zentraler Punkt waren die Arbeiten an einem Hochgeschwindigkeits-Wireless-LAN. Sie werden von einer Gruppe mit der Bezeichnung IEEE 802.11n vorangetrieben. Ziel ist es, eine Norm für WLANs mit Bruttodatenraten von bis zu 100 MBit/s zu entwickeln. Gegenwärtig stehen sich zwei Gruppen gegenüber, die unterschiedliche Ansätze propagieren: eine um den Chiphersteller Atheros, Intel, Philips und weitere Firmen. Sie favorisieren eine Lösung mit einer Bandbreite von 40 MHz. Eine andere Gruppe hat sich um Airgo formiert; sie setzt auf eine Bandbreite von 20 MHz. Dieser Fraktion gehört eine Reihe wichtiger WLAN-Chip-Produzenten an, darunter Texas Instruments und Broadcom.
Einen Sonderweg scheint derzeit Agere einzuschlagen. Der Halbeiter- und Netzwerkspezialist will die 20- und 40-MHz-Ansätze zusammenführen und ein Verfahren erarbeiten, das eine Rohdatenrate von 500 MBit/s bietet. Damit ließen sich sogar hoch auflösende Fernsehbilder (HDTV) über ein Funknetz übertragen. Ageres Vorschlag basiert auf der MIMO-Antennentechnik (Multiple Input, Multiple Output). Bei diesem Verfahren kommen mehrere Antennen für das Senden und Empfangen von Funksignalen zum Einsatz. Pro Kanal werden mehrere Funk-Übertragungswege eingerichtet, über welche die Daten dann transportiert werden.
Eine andere Arbeitsgruppe namens IEEE 802.11h sucht dagegen nach einem Ausweg aus dem Dilemma, in dem sich der WLAN-Standard 802.11a befindet: Er nutzt das Frequenzband von 5 Gigahertz. Das ist erheblich weniger "überfrachtet" als das 2,4-GHz-Spektrum, das WLAN-Komponenten auf Basis der Norm 802.11g verwenden. Die müssen sich den Frequenzbereich mit anderen Geräten teilen, etwa Fernsteuerungen und Garagentor-Öffnern. Allerdings ist das 5-GHz-Band in etlichen Ländern von militärischen Radarsystemen "besetzt".
IEEE 802.11h soll einen Ausweg bieten: Die Spezifikation sieht eine dynamische Frequenzwahl (Dynamic Frequency Selection, DFS) und Begrenzung der Sendeleistung (Transmit Power Control, TPC) vor. Stellt DFS fest, dass ein Kanal von einem anderen Gerät genutzt wird, sucht es automatisch nach einer freien Frequenz. TPC wiederum soll verhindern, dass Wireless LANs Satellitendiensten ins Gehege kommen.
Grotesk: Die Vorschläge orientieren sich an der europäischen Hiperlan-II-Norm, die sich nicht durchsetzen konnte - eben weil der Einfluss der IEEE und der dahinter stehenden (US-)Firmen zu stark war. Nun hält die Technik aus "Old Europe" quasi durch die Hintertüre Einzug in die Spezifikation, welche die IEEE-Arbeitsgruppe erarbeitet.
Verfasst von: Bernd Reder am 19.07.04, 20:41
