Wireless LANs in Europa: Auf der Suche nach dem Hotspot

Einen amüsanten (oder eher ernüchternden) Erfahrungsbericht zum Thema öffentliche Wireless LANs in Europa hat Esme Vos im Standard veröffentlicht. Sie versuchte, sich in Antwerpen in einen WLAN-Zugangspunkt (Hot Spot) des belgischen Telekommunikationskonzerns Belgacom einzubuchen.

Das Resultat: Eine Odyssee durch diverse Cafes (um einen Gutschein für ein WLAN-Zeitguthaben zu ergattern) bis hin zur Hotline von Belgacom (um die Konfigurationseinstellungen ihres Notebook anzupassen und sich ein Log-in-Passwort via SMS zusenden zu lassen). Esmes Fazit: Die Mobilfunkkonzerne und Festnetz-Carrier in Europa sind heimlich übereingekommen, den Zugang zu öffentlichen Wireless LANs derart kompliziert zu machen, dass die User die Lust daran verlieren - und reumütig zu UMTS-Services (Universal Mobile Telecommunications System) flüchten.

Auf diese Weise werde sichergestellt, dass sich das so genannte Mobilfunknetz der Dritten Generation letztlich doch rechnet und die vielen Milliarden Euro Lizenzgebühren wieder hereinkommen.

Richtig ist, dass sich viele Carrier, so auch T-Mobile, Vodafone & Co. hier zu Lande, WLAN-Standorte gesichert haben, etwa an Flughäfen. Es stimmt auch, dass es derzeit noch ein ziemliches Tohuwabohu gibt, was das Einbuchen, Authentifizieren und Abrechnen von WLAN-Diensten gibt, ganz zu schweigen vom Roaming, also dem Übergang zwischen unterschiedlichen Funknetzen.

Nicht richtig scheint mir, den Carriern zu unterstellen, dass sie WLAN-Dienste absichtlich sabotieren. Eher ist wohl eine Mischung aus übergroßem Optimismus und Arroganz am Werke. So hat T-Mobile beispielsweise vollmundig angekündigt, ihre Kunden könnten problemlos zwischen WLANs und mobilen Datendiensten auf Basis von UMTS "roamen". Leider hat sich das bislang als leeres Versprechen erwiesen. Ganz so einfach ist es offenbar doch nicht, eine Brücke zwischen völlig unterschiedlichen Funknetzen zu schlagen.

Fazit: Was Marketingexperten und die Führungsspitzen von Technologie-Konzernen gerne haben möchten, ist eine Sache, was die Entwicklungsabteilungen zu leisten vermögen, eine ganz andere.

Verfasst von: Bernd Reder am 09.08.04, 21:17
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