Berliner Forscher plädieren für abschaltbare Funketiketten
Wissenschaftler des Forschungszentrums Internetökonomie an der Humboldt-Universität in Berlin haben vorgeschlagen, den Zugang zu den Daten auf Funketiketten durch Passwörter zu schützen. Wer eine Ware kauft, an der ein RFID-Chip befestigt ist, soll selbst entscheiden können, ob ein System die Informationen auslesen darf.
Etiketten mit Radio-Frequenz-Identifikation sind dabei, die bekannten Barcode-Aufkleber zu ersetzen. RFID--Tags identifizieren jeden Gegenstand eindeutig und vor allem dauerhaft, weil die Funk-Chips ohne Batterie auskommen. In Kombination mit einer Datenbank lässt sich deshalb der Weg jedes Artikels lückenlos nachvollziehen. Das Problem dabei: Alle Informationen bis hin zur Seriennummer können auch über große Distanzen ausgelesen werden, und vor allem ohne dass der Käufer einer Ware mit RFID-Chip davon etwas merkt.
Die Berliner Forscher empfehlen daher ein passwortgestütztes Verfahren. Es soll dem Verbraucher erlauben, über die Lesbarkeit der RFID-Informationen nach dem Kauf selbst zu bestimmen. Die Informationen werden nicht gelöscht, sondern nur deaktiviert. Durch Eingabe eines Passwortes in ein RFID-Lesegerät, etwa ein Handy, kann der Käufer dann "seine" Tags reaktivieren. Das kann etwa dann Sinn machen, wenn eine Reklamation ansteht oder der Benutzer ein Gerät zur Reparatur bringt.
Ein solcher Weg ist nach Ansicht des Forschungszentrums praktikabler als ein komplettes Löschen der Daten auf Funketiketten. "Es ist entscheidend, dass sich ein standardisierter Prozess für das Deaktivieren aller Chips am Ladenausgang durchsetzt. Zu viele Insellösungen könnten dazu führen, dass Investitionen in den technischen Datenschutz versanden", sagt Dr. Sarah Spiekermann, die Geschäftsführerin des Forschungsprojekts.
Verfasst von: Bernd Reder am 22.08.04, 13:28
