Microsofts Online-Musikservice startet am Donnerstag

Einem Bericht der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press zufolge wird Microsoft am kommenden Donnerstag (2. September) den Startschuss für seine Online-Musikbörse geben. Als Plattform dient der Online-Service MSN.

Noch unklar ist, ob beziehungsweise wann das Angebot auch für User in Europa verfügbar sein wird. Denn hier kooperiert das Unternehmen derzeit mit dem Anbieter OD2. Ebenfalls bedeckt geben sich Microsoft-Manager bislang, was die Preisstruktur des MSN-Services betrifft. Es ist allerdings davon auszugehen, dass der Dienst sich an den Vorgaben der Konkurrenten orientieren wird, in erster Linie Apples iTunes. Dort kostet ein Lied 99 Cent.

Ein Experte der Marktforschungsfirma Forrester Research räumt Microsoft gute Chancen ein, sich trotz des verspäteten Einstiegs in den Online-Musikmarkt dort eine gute Position zu verschaffen. Ein Grund dafür sei die Popularität von MSN, die dem Geschäft mit Musiktiteln zugute kommen wird, der zweite die Tatsache, dass auf den meisten PCs und etlichen portablen Media-Playern die "Windows Media"-Technik von Microsoft zum Zuge kommt.

Den Zeitfaktor sehen die Marktforscher als weniger kritisch an. Sie führen das Beispiel der Web-Browser an: Auch in diesem Bereich sei Microsoft sehr spät auf den Plan getreten, habe es aber geschafft, eine dominierende Stellung zu erobern. Allerdings hinkt dieser Vergleich meines Erachtens. Denn bekanntlich nutzte Microsoft seine dominierende Stellung bei den Desktop-Betriebssystemen, um dem Internet Explorer zu Popularität zu verhelfen. Bei Online-Musikdiensten ist diese Voraussetzung nicht gegeben.

Hinzu kommt, dass auch Microsoft Rückschläge hinnehmen musste, als es um den Einstieg in bestimmte Marktsegmente ging, wie das Beispiel der Spielekonsole Xbox zeigt. Aus solchen Flops dürfte die Firma aus Redmond jedoch gelernt haben. Daher dürften zunächst vor allem die kleineren Online-Musikbörsen wie Rhapsody von Real Networks oder Roxios Napster die Konkurrenz durch Microsoft zu spüren bekommen. Apple wiederum darf auf eine eingeschworene Fan-Gemeinde zählen. Ob die so schnell ins Lager des "Erzrivalen" überläuft, darf bezweifelt werden.

Verfasst von: Bernd Reder am 31.08.04, 12:27
Kommentare

Ein interessanter Beitrag auf CNet (http://news.com.com/MSN+Music%3A+It%27s+really+about+Windows/2100-1027_3-5327631.html) geht davon aus, dass nicht das Desktop-Monopol Microsofts die Online-Musikbörse in Schwung bringen soll, sondern dass umgekehrt MSN Music dazu bestimmt ist, den Windows-Media-Formaten zum Durchbruch zu verhelfen. Das Bundling des Media Player mit Windows hat dies nicht erreicht, MP3 ist ja das meistgenutzte Format.


Verfasst von: Wolfgang Sommergut am 01.09.04, 19:07
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