Tests: Im Flugzeug mit dem Handy telefonieren
Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts Wireless Cabin werden in den kommenden Monate Feldversuche mit drahtlosen Übertragungstechniken in Flugzeugen durchgeführt. Dabei sollen UMTS-Mobiltelefone, Wireless LANs und die Kurzstreckenfunktechnik Bluetooth ausprobiert werden.
Bislang standen Fluggesellschaften diesen Techniken reserviert gegenüber. Sie befürchteten zum einen, dass die Funkwellen die Elektronik der Jets beeinträchtigen könnte. Außerdem müssen Verfahren entwickelt werden, um die Daten von den Endgeräten, welche die Fluggäste benutzen, zum Boden und zurück zu transportieren. Als Lösung bietet es sich an, die Signale via Satellit zu übertragen.
Im Flugzeug wird zu diesem Zweck ein "Collectively Mobile Heterogeneous Network" (CMHN) installiert. "Heterogenous" weist darauf hin, dass drei unterschiedliche Übertragungstechniken zum Zuge kommen, die mit separaten Kodierverfahren und Frequenzbändern arbeiten. Die Passagiere sollen die Möglichkeit haben, wie zu Hause oder im Büro zu kommunizieren, also zu telefonieren, E-Mails zu senden und zu empfangen oder im Internet zu surfen. Welche Endgeräte sie dabei einsetzen, bleibt ihnen überlassen: Handy, digitaler Assistent oder Notebook mit Wireless-LAN-Karte. Der Vorteil für die Fluggesellschaften: Sie können einen Zusatz-Service anbieten, der Geld bringt und dabei hilft, sich von Konkurrenten zu differenzieren.
Einer Marktstudie zufolge, die Wireless Cabin auf seiner Web-Site publiziert hat, wollen 78 Prozent der Fluggäste E-Mail nutzen können, 74 Prozent sich "Video on Demand" und 73 Prozent Zugang zum Internet. Analog dazu sehen 85 Prozent der Fluggesellschaften einen Bedarf, an Bord Datendienste anzubieten. Allerdings erwartet nur die Hälfte, dass diese Services "drahtlos" zur Verfügung gestellt werden. Hier schwingt die bereits angesprochene Angst vor Sicherheitsproblemen durch Funk mit.
Wireless Cabin gehören neben Forschungseinrichtungen wie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Firmen wie Siemens, Ericsson oder Inmarsat an.
Verfasst von: Bernd Reder am 10.09.04, 11:05
