Musikindustrie will Digital Rights Management für CDs in Longhorn integrieren

Vertreter der Musikindustrie sind angeblich mit Micorosoft in Verhandlungen. Das Ziel: die unterschiedlichen Formen des Digital Rights Management, welche die Firmen entwickelt haben, um das "illegale" Abspielen und Kopieren (Rippen) von Musik-CDs zu verhindern, sollen in die neue Windows-Version "Longhorn" Eingang finden.

Longhorn wird voraussichtlich 2006 auf den Markt kommen. Mit ihrem Vorstoß wollen Firmen wie EMI sicherstellen, dass Anwender, auf deren Rechner Longhorn und der für den Herbst angekündigte Windows Media Player 10 läuft, nicht den Kopierschutz aushebeln und nach Belieben Kopien von Liedern auf die Festplatte oder mobile Geräte übertragen.

In einigen Berichten, wie etwa auf The Register, ist dagegen die Rede davon, dass Microsoft auf die Plattenindustrie zugegangen sei. Demnach habe der Software-Hersteller die Musikindustrie ultimativ aufgefordert, sich bis heute (20. September) auf eine Spezifikation für den CD-Kopierschutz zu einigen.

Offenbar sind sich Microsoft und die Musikindustrie in zentralen Punkten noch nicht einig. So fordern die Plattenfirmen, dass der User das Recht haben solle, eine begrenzte Zahl von Sicherungskopien der CD-Inhalte zu erstellen. Außerdem schlagen die Firmen vor, dass der Käufer wählen können soll, in welchem Audio-Format die Files auf der Platte oder einem Gerät wie einem Audio-Player gespeichert werden.

Das dürfte Firmen wie Apple und Sony missfallen, die über ihre Online-Musikbörsen iTunes und Connect Musikdateien zum Kauf anbieten, in speziellen, proprietären Formaten vorliegen. Hintergrund: Die User sollen sich doch bitte sehr auch die dazu passenden Musik-Player kaufen, sprich den iPod oder den Network Walkman.

Microsoft wiederum scheint seinen eigenen Ansatz namens "Secure Audio Path" durchsetzen zu wollen. Er sieht vor, dass die Übertragung von digitalen Inhalten auf dem gesamten Weg von der Quelle, sprich CD, Internet-Radio oder Streaming-Server, bis zum Ausgabegerät geschützt ist. Hinzu kommt, dass es Microsoft nicht daran gelegen sein kann, in Longhorn einen CD-Kopierschutz zu integrieren, der weit über das hinausgeht, was die Anwender von Windows XP und dem Windows Media Player 9 gewohnt sind. Eine Knebelung des Anwenders durch ein verschärftes Digital Rights Management würde nur User zu Alternativen wie Linux treiben.

Wenn sich jedoch Microsoft durchsetzt, erhält der Konzern, ähnlich wie bei PC-Betriebssystemen, eine Schlüsselposition, was das Verteilen von Content betrifft. Das dürfte auch der Musikindustrie nicht gefallen, zumal die Firma aus Redmond sich anschickt, selbst als Content Provider aktiv zu werden und über MSN Musik-Downloads anbietet. Und von dort ist es nicht weit bis zum eigenen Musik-Label oder dem Einstieg ins Film- und Fernsehgeschäft, wie das Sony derzeit mit der Übernahme von MGM erneut versucht.

Kurzum: Derzeit scheint nur eine Wahl zwischen den beiden Alternativen Pest und Cholera möglich zu sein.

Verfasst von: Bernd Reder am 19.09.04, 13:37
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